„Der Beruf steht für mich im Vordergrund“

Im Gespräch mit Wolfgang Krzizok:

Jonas Steinmann ist erst 20 Jahre alt und zählte in den beiden letzten Spielzeiten als Torhüter dennoch schon zu den Stützen der Erding Gladiators. Zweimal ist er von den Fans zum beliebtesten Spieler gewählt worden. Jetzt aber muss der Eishockey-Bayernligisten ohne ihn auskommen, denn der Keeper hängt aus studientechnischen Gründen seine Schlittschuhe vorerst an den Nagel. Im Gespräch mit Wolfgang Krzizok erinnert er sich an seine Anfänge, an spektakuläre Moment und denkt an die Zukunft, bei der Eishockey durchaus wieder eine Rolle spielen könnte.

Herr Steinmann, Ihr Vater Robert, der 385 Mal für Erding mit der Rückennummer 44 auflief, war einer der härtesten Verteidiger zu Zeiten der Jets. Wieso sind Sie Torwart geworden?

Bei einem Kleinschülerturnier wurde mal ein Torwart gebraucht, und ich wollte das schon lange mal ausprobieren. Ich hatte das auch gar nicht so schlecht gemacht. Ich habe dann pro Woche immer dreimal Feldspieler und einmal Torwart trainiert. Das entscheidende Gespräch war dann mit meinem Trainer Axel Schütz. Er hat mich nicht beeinflusst, er hat lediglich zu mir gesagt: ,Was macht dir mehr Spaß?’ Da war die Entscheidung klar.

Und was hat der Vater dazu gesagt?

Der Papa wollte, dass ich Feldspieler bleibe, hat es aber dann akzeptiert. Außerdem hat er ja noch meinen Bruder Kilian als Feldspieler. Mein Opa väterlicherseits, der übrigens auch Robert Steinmann heißt, fand und findet es dagegen super. Der ist nämlich Torwart in zwei Dingolfinger Hobbyteams.

Aber dafür haben Sie ja seine Nummer 44 übernommen.

Im Nachwuchs ging das noch nicht, weil da ja normalerweise nur Trikots mit Nummern bis 25 da sind. Aber als es möglich war, habe ich mir die 44 gleich geschnappt.

Später sind sie praktisch zweigleisig gefahren, standen in Erding im Tor und, ausgestattet mit einer Förderlizenz, im Rosenheim Kasten in der DNL.

Da habe ich mir von Hannibal Weitzmann, der jetzt in Köln spielt, sehr viel abschauen können. Ich durfte dann auch bei den Starbulls ein paarmal mittrainieren, mit Leuten wie Timo Herden, der jetzt in Düsseldorf unter Vertrag steht, und Lukas Steinhauer.

Sie durften damals sogar als einziger deutscher Torwart ins IIHF-Development-Camp ins finnische Vierumäki.

Das war eine super Sache. Da waren Spieler aus 45 Ländern dabei, aus jedem Land aber nur drei bis vier. Aus Deutschland waren außer mir noch dabei der Tobi Eder, der jetzt bei Red Bull München spielt, der Maxi Adam, der jetzt von den Eisbären Berlin nach Wolfsburg wechselt, und der Marvin Ratmann aus Köln, der mittlerweile in Bad Nauheim ist. Da waren auch Spieler aus exotischen Eishockeyländern wie Großbritannien, Spanien, Australien, Mexiko oder der Türkei vertreten. Wir wurden aufgeteilt in sechs Mannschaften zu je 18 Leuten, und da war keine Nation doppelt im Team. Mein Zimmerkollege war übrigens Juuso Välimäki, der jetzt bei den Calgary Flames in der NHL unter Vertrag steht. Alles lief auf Englisch ab. Das war echt ein Abenteuer und eine unglaubliche Erfahrung.

Apropos Weitzmann, Herden und Steinhauer: Hatten oder haben Sie ein Vorbild als Torwart?

Aus den alten Zeiten hat man halt Namen wie Englbrecht mitgekriegt, wenn Papa oder Opa die eine oder andere Geschichte erzählt haben. Sonst kenne ich keinen aus den alten Zeiten. Einer der Besten ist für mich Philipp Grubauer aus Rosenheim, der vergangenes Jahr mit den Washington Capitals den Stanley Cup gewonnen hat. Er hat auch mal zwei Trainingseinheiten mit uns in Rosenheim geleitet. Er ist sehr nett und überhaupt nicht abgehoben. Wenn man jemanden wie ihn persönlich getroffen hat, dann hat man natürlich ein besonderes Interesse. Ach ja. Und Dimitri Pätzold habe ich noch in Erinnerung, der mich in Erding schon mal trainiert hat.

In dieser Zeit standen Sie auch im Tor der deutschen U 18-Nationalmannschaft. Was war da Ihr schönstes Erlebnis?

Die zwei coolsten Erlebnisse waren ein Turnier in Kanada, als wir in zwei Wochen in sechs verschiedenen Stadien in Calgary gespielt haben, und vor allem die U 18-WM im weißrussischen Minsk. Das war der Hammer. Schon die Vorbereitung war unglaublich. Da haben wir uns zwei Wochen lang vorbereitet, mit Camp in Füssen und Turnier in Tschechien, weil wir unbedingt aufsteigen wollten. Mirko Pantkowski, der jetzt bei den Mannheimer Adlern unter Vertrag steht, und ich, wir haben uns die Spiele geteilt. Ich war gegen Norwegen und Frankreich dran und war schon richtig stolz, dass ich da dabei sein durfte.

Aber am Ende hat es mit dem Aufstieg nicht geklappt.

Im letzten Spiel ging es in der KHL-Arena gegen Gastgeber Weißrussland. Das war ein richtiges Auswärtsspiel. Da waren 11.000 Zuschauer im Stadion und alle gegen uns – das war der Wahnsinn. Dominik Wagner und Vale Busch waren damals übrigens auch dabei. Ein Unentschieden hätte uns zum Aufstieg genügt, aber leider haben wir verloren.

In der U 19 waren Sie nicht mehr dabei. Warum?
Da musste ich zweimal absagen wegen dem Abitur und war dann raus.

Hätten Sie in Rosenheim keine Zukunft gehabt?

Ich war damals dritter Torwart bei den Starbulls. Das war eine coole Erfahrung, mal Profi-Luft zu schnuppern, auch wenn Rosenheim damals aus der Zweiten Liga abgestiegen ist. Das war in dem Jahr, als ich mein Abitur gemacht habe.

Sie haben sich dann fürs Studium und gegen Profi-Eishockey entschieden.

Eigentlich hätte ich dann in Rosenheim einen Vertrag gehabt als Nummer zwei für die Oberliga. Aber ich wollte in Freising-Weihenstephan Biotechnologie studieren. Das hätte sich nicht mehr vereinbaren lassen. Ich habe mir gedacht, dass ich lieber eine Liga runter gehe, das macht mehr Sinn. Da bekomme ich mehr Spielpraxis, und außerdem ist die Bayernliga auch schon gespickt mit vielen Ex-Profis, und das Niveau ist richtig hoch geworden. Und auch den Sprung von der DNL in die Bayernliga muss man erst einmal schaffen.

Und dann haben Sie überraschend den Studienort gewechselt. Warum?

In der 11. Klasse hatte ich mich über den Studiengang Umweltsicherung informiert, fand es sehr interessant, und es wäre eigentlich mein Plan A gewesen. Ich habe mich dann aber für Plan B, Biotechnologie, entschieden, weil das teilweise ähnlich zu Umweltsicherung ist, ich näher bei Erding studieren und daheim Eishockey spielen konnte. Ich hatte dann aber nicht so Spaß daran und habe mich erinnert, wie fasziniert ich von Plan A war, und das hat mich nicht losgelassen. Deswegen habe ich mich dann entschieden, den Studiengang zu wechseln.

Und sind umgezogen nach Ansbach.

enauer gesagt nach Triesdorf, 15 Kilometer von Ansbach weg. Das war natürlich eine schwierige Entscheidung. Aber für mich steht der Beruf im Vordergrund.

Wie schwierig war es, diesen neuen Studiengang mit dem Eishockey in Erding zu verbinden?

Ich hatte den Gladiators vor der Saison 2018/19 meine mündliche Zusage gegeben. Die wollte ich auch unbedingt einhalten. Anfangs ging es noch problemlos, aber ab Oktober konnte ich nur noch einmal in der Woche trainieren. Dabei hatte ich sogar noch Glück. Dadurch, dass Triesdorf quasi eine Zweigstelle von Weihenstephan ist, wurden mir einige Fächer angerechnet und ich hatte freitags immer frei. Ach ja, und am Wochenende habe ich außerdem noch in der Therme gejobbt. Ich war letztlich froh, dass ich den Spagat geschafft habe und meine Zusage erfüllen konnte.

Gab es in der Nähe keine Trainingsmöglichkeiten?

Nürnberg wäre nahe gewesen, aber das ist ein DEL-Standort. Dann wäre da auch noch Höchstadt, aber da sind es rund 70 Minuten zu fahren. Da ist es nach Erding auch nicht recht viel weiter. Ich habe den Anspruch: Wenn ich was mache, dann richtig. Vergangene Saison war mit einem Kompromiss gerade noch so zu schaffen. Jetzt ist nicht mal mehr der möglich, also macht es keinen Sinn.

Dabei war es eine ziemlich aufregende Saison. Sie starteten zusammen mit Andreas Gerlspeck, der dann aber verletzt einige Zeit ausfiel und Sie quasi die ganze Verantwortung alleine auf Ihren Schultern tragen mussten.

Das war der Gau. Ich war froh, dass wir uns die Einsätze teilen konnten. Als der Gerle dann verletzt war, habe ich mir schon Gedanken gemacht, dass ich das jetzt alleine schultern muss. Aber wenn man mal drin ist, dann geht’s. Dann macht man sich keinen Kopf und kommt in einen guten Rhythmus rein. Dann kam Gott sei Dank die Phase mit unseren neun Siegen in Serie. Und wenn es so läuft, dann ist es natürlich viel einfacher. Ich war dankbar, dass alles so gut funktioniert hatte, und ich war froh, als der Gerle wieder da war.

Die Fans haben es honoriert. Sie sind zum zweiten Mal hintereinander Spieler der Saison geworden.

Das hat mich sehr gefreut. Bei der Abschlussfeier, als wir uns verabschiedet haben, waren die Fans traurig – und ich auch. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal wieder zurückkomme. Zunächst aber erst mal als Zuschauer. Ich wünsche meinem Nachfolger Christoph Schedlbauer auf alle Fälle viel Glück.

Wann kann man mit einer Rückkehr ins Gladiators-Tor rechnen?

Jetzt studiere ich erst mal drei Jahre für den Bachelor, und dann gibt es noch die Option Master. Ich konzentriere mich voll aufs Studium, das mir sehr viel Spaß macht, und schaue nur von Semester zu Semester. Das mit dem Eishockey ergibt sich dann – oder auch nicht.

Falls es sich ergibt, dann wieder mit der Nummer 44?

Mal schauen, wer die nächste Nummer 44 in Erding wird. Vielleicht bin’s ja tatsächlich wieder ich.

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Kurztabelle

PlatzMannschaftSp.Punkte
1 SC Riessersee 18 46
2 EV Füssen 18 36
3 HC Landsberg 18 35
4 TEV Miesbach 18 33
5 EHC Klostersee 18 28
6 EC Bad Kissingen 18 25
7 EHC Königsbrunn 18 19
8 TSV Erding 18 18
9 EHC Waldkraiburg 18 18
10 TSV Peissenberg 18 12
Stand: 10.03.2019 ohne Gewähr